Lamborghini Gallardo Spyder: Supermacho
Ein Lamborghini Gallardo Spyder ist für Menschen gemacht, denen ein Ferrari mit seinem niedlichen Pferd zu gewöhnlich ist. Eben wie die recht hübsche Frau, die es nicht auf einen Laufsteg schafft, aber in ihren Arm.
Sie wollen aber in einer Zeitschrift lieber ein Top-Model sehen als eine, die leichte Macken hat. Und ich sage Ihnen: Der weiße Gallardo Spyder ist makellos. Er röhrt wie ein Hirsch in den schwedischen Wäldern oder brüllt wie ein Löwe. Suchen Sie es sich aus. Er katapultiert den Fahrer völlig unsinnig in atemberaubender Beschleunigung von null auf 300 und mehr. Falls man es mal braucht. Sein Leder im Innenraum fühlt sich an, als hätte die Kuh nur einen Lebenssinn gehabt: einmal auf der Mittelkonosole zu landen.
Ein Lamborghini macht keine Kompromisse. Er schluckt kräftig, brüllt auf der Straße die Insassen anderer Autos derartig unfreundlich an, dass sich alle nach ihm umsehen. Und nun wird es spannend: Niemand ist ihm böse. Er ist der blechgewordene Männertraum. Ein Supermacho. Er sagt: Ich nehme mir, was mir gefällt. Ich lasse mich doch von Straßenschildern nicht an die Kette legen. Nur taube alte Männer drehen sich nicht nach dem Wagen um, wenn er langsam durch die Einkaufsstraße rollt. Und natürlich haben emanzipiertere Frauen keinen zweiten Blick für ihn. Er ist eine Schwanzverlängerung für Menschen wie Flavio. Aber das gibt er eben offen zu. Er ist nicht so eine heimliche Potenzhilfe wie ein Stuttgarter Zweitürer oder ein getunter Ami. Es gibt ihn auch nicht als SUV für die Frau. Oder ein bisschen weniger böse. Man muss ihn schon genau so nehmen und ertragen. Muss sein Rumgeruckel an der Ampel akzeptieren, sein Zwischengas beim Stehenbleiben, das er vollautomatisch von sich gibt. Wie ein ungezogener Jun-ge, der immer das letzte Wort haben will.
Natürlich ist das alles auch irgendwie peinlich. Aber wenn man über diesen Punkt hinaus ist, wenn man damit leben kann, von allen angestarrt und von allen Frauen für einen ausgemachten Idioten gehalten zu werden, dann gibt es nichts Besseres als dieses Auto. Wie er dahinschießt über die Autobahn wie ein Kampfjet über die Startbahn. Wie er sich ansaugt am Asphalt, wie sich der eigene Körper in den Kurven in die Sportsitze drückt. Das alles macht tierisch Spaß. Aber man muss über diesen Punkt hinauskommen wie über den Druckpunkt bei einer Kupplung. Bei einem Lambo ist der Druckpunkt nicht im Pedal zu spüren, sondern im Charakter des Fahrers. Stehe ich zu dieser rollenden Provokation? Stehe ich zu meinem Hawaihemd, zu den Austern, zu dem Champagner, zu der Blondine in meinem Arm, die viel zu schön für mich ist und bei deren Anblick sich alle fragen: Hat der das nötig? Ihr könnt ja gern weiter in den Bonbondosen fahren. Das muss es ja auch geben. Und der Umwelt tun Menschen wie ich nun wirklich nicht weh. Von mir gibt es viel zu wenige. Und ohne mich hättet ihr am Strand auch nichts zu tuscheln. Seid froh über mich.
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Leser-Kommentare (1)
Der Wahnsinn
der wahrgewordene Frauen- und Männertraum... was soll man dazu noch sagen? Diese Provokation, einfach köstlich. Dieser Supermacho, ein geheimer, nie zugegebener Frauentraum, das Auto...ein Muss.... Jeder, der einmal so eine Maschine von 0-300 km/h beschleunigt hat, kann mir das bestätigen. somit...ein Hoch auf die Machos, welche sich noch trauen typische Männer mit ihren typischen "Schwächen" zu sein.





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