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Andrew Yeadon GM Sequel

 

GM Sequel: Eine  saubere  Sache

Wasserdampf aus dem Auspuff wirbelt in der verlassenen Mall Staub auf. Sie wurde geschlossen, weil sie zu viel Energie verbrauchte. An einem solchen Ort strahlt der emissionsfreie Sequel von General Motors noch heller. Von Sven Schulte-Rummel

Ganz vorsichtig rollt der Sequel durch die Tür in das verlassene Einkaufszentrum in der Stadtmitte von Palm Springs. Entwickler Mohsen Shabana fühlt sich unwohl: Nur anderthalb Zentimeter trennen sein 20-Millionen-Dollar-Auto an jeder Seite von den scharfen Türscharnieren. Bloß keinen Kratzer. Denn der Sequel ist Shabanas ganzer Stolz. Und nicht nur seiner, sondern der von ganz General Motors (GM). Denn hier rollt die Zukunft des Autofahrens durch zentimeterdicken Staub. Und hinterlässt ihre Reifenspuren auf dem unpolierten Mamorboden. Der Sequel ist ein mit Brennstoffzellen betriebener Prototyp, und es gibt nur zwei handgefertigte Exemplare. Wenn eines auch nur bewegt wird, dann unter Aufsicht und mit einer Polizei­eskorte.

Ausgeschlagene Ladenfenster und ein Haufen Glasscherben sind der Horror für Sequel-Ingenieur Shabana. Vorsichtig umkreist der Prototyp den Haufen aus Glas­splittern. Sieben Jahre war niemand in der alten Shopping-Mall in der Stadtmitte von Palm Springs in Kalifornien. Anfang der neunziger Jahre wurde sie geschlossen, weil es nicht mehr zu finanzieren war, die riesigen Räume zu kühlen. Schon im Winter beträgt in dieser Region Kaliforniens die Durchschnittstemperatur 26 Grad, sodass sich die jährlichen Kosten für die Klimaanlage auf 1,8 Millionen Dollar summierten. Die alte Mall hat somit schon den Punkt überschritten, der den benzingetriebenen Autos noch bevorsteht: unökonomisch, unökologisch, ausrangiert.

Öl wird knapper, Sprit teurer, und das Verlangen nach Alternativen größer. Alle Autohersteller forschen deshalb unter Hochdruck an den Antrieben der Zukunft. GM will bis 2010 ein Brennstoffzellen-Auto in Serie produzieren. Bis dahin sind es nur noch drei Jahre - wenig Zeit im Automobilbau. GM setzt auf die Brennstoffzelle als Energielieferant. Der Vorteil gegenüber rein batteriebetriebenen Fahrzeugen ist, dass es keine Ladezeiten, sondern nur Tankstopps gibt. Klar, dafür werden spezielle Tankstellen benötigt, existiert aber einmal ein flächendeckendes Netz, ist das Vorankommen kein Problem mehr. Die Brennstoffzelle erzeugt an Bord aus dem getankten Wasserstoff den Strom, der über einen Lithium-Ionen Akku an die Elektromotoren weitergegeben wird. Aus dem Auspuff strömt nur noch Wasserdampf - und kein Schadstoff wie bisher.

Staub wirbelt auf, wenn der Wagen mit dem pfeifenden Geräusch eines kochenden Teekessels auf der langen Geraden der Einkaufspassage beschleunigt. Drei Elektromotoren arbeiten im allradgetriebenen Sequel. Der Antrieb für die Vorderräder sitzt im Motorraum. Spannend ist jedoch vor allem die Konstruktion der hinteren Felgen, in denen jeweils Radnabenmotoren arbeiten. Entwickler Shabana würde diese Elektromotoren am liebsten in alle vier Räder einbauen, doch die Technik ist noch in der Erprobung. Trotzdem: Durch das Dreierpack hat der 2,1 Tonnen schwere Sequel ausreichend Kraft, um flott voranzukommen. Insgesamt stehen 245 PS zur Verfügung. Das reicht für ein Top-Speed von 145 Stundenkilometern - mehr als die auf amerikanischen Interstate Highways erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 70 Meilen (110 km/h). Doch beeindruckend ist vor allem die Beschleunigungsleistung: Bis Tempo 100 braucht der GM-Prototyp lediglich zehn Sekunden - schneller als die meisten vergleichbaren Limousinen mit Benzinmotor. Und durch effizientes Energiemanagement ist auch die Reichweite pro Tankfüllung beeindruckend. Laut GM fährt der Sequel voll getankt (acht Kilogramm Wasserstoff) 480 Kilometer weit.

Zackig kurvt der Prototyp um die in den Boden eingelassenen Blumenkübel, in denen einmal Palmen wuchsen. Durch eine Allradlenkung, bei der auch die hinteren Räder eingeschlagen werden, ist der Sequel enorm wendig. Drive-by-Wire (Fahren übers Datenkabel) nennt sich die Technik dahinter, denn mechanische Verbindungen zwischen Lenkrad und Rädern gibt es nicht. Sensoren übernehmen die Arbeit. Bis sich das allerdings etabliert, muss man wahrscheinlich noch 20 Jahre warten.

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