FIA GT1: Crash hautnah
Harte Rennen und Karnevalsatmosphäre - die sechste Runde der ersten FIA GT1 Weltmeisterschaft findet am Nürburgring statt. Hart wird bei den Qualifiyings und beim Rennen gekämpft. Und dennoch herrscht fast überall gelöste Atmosphäre. MAX war dabei.
Von Martin Haldenmair
Kann es bei einem Autorennen still werden? Die PS-Monster donnern über den Asphalt. Selbst wenn sie an der entfernten Schleife des Nürburgrings sind, weht ein dumpfes Dröhnen durch das ganze Areal. In der Box des Teams Sumo Nissan aber ist plötzlich jedes Geräusch erstickt. Der Wagen des Teams hatte einen Unfall. Aus der Traum vom Sieg!
Der Wagen wird hereingeholt. Ruhig - trotz des Schocks, unter dem alle sichtbar stehen, begutachtet das Team die Schäden und beginnt mit der Reparatur. Die Griffe sind schnell und sicher, keiner steht im Weg, das Team ist gut aufeinander eingespielt. Eine Chance in dieser Runde haben sie trotzdem nicht mehr.
Rennen mit Kontakt
Das passiert bei Grand-Tour-Rennen wie der FIA GT1 Weltmeisterschaft. Die Wägen sind im Prinzip straßentauglich, halten also auch einiges mehr an "Feindberührung" aus als die Rennfahrzeuge der Formel 1. Dementsprechend härter wird auf der Bahn gekämpft, die Fahrer haben mehr Gelegenheit zu überholen. Und so auch mehr Gelegenheit, Fehler zu machen, die sie aus der Strecke tragen - wie gerade passiert. "Die Rennen sind spannender", findet Patricia Kiefer, Geschäftsführerin von SRO, den Organisatoren des Ereignisses.
"Open Paddock"
Spannend sind aber nicht nur die Rennen. Während der drei Tage, in denen die Teams am Nürburgring Station machen, herrscht "Open Paddock". Das heißt, die Besucher können ganz nah ran. Auf dem Vorplatz vor den Werkstätten, dem Paddock, wehen bunte Fahnen: Die Trucks der Teams sind dort abgestellt, große Tafeln verkünden stolz, wer hier antritt und - natürlich mit welchem Auto. Die Besucher fachsimpeln über Autos und Reifen - auch die gibt es zu bestaunen und abgefahrene sogar zu kaufen - holen sich Autogramme bei den Fahrern. Bei unbeständigem Wetter wechseln sich Regengüsse und eisige Winde mit strahlender Sonne ab.
Der Witterung ist es wohl geschuldet, dass nur 15.000 Besucher an den drei Tagen den Weg zum Nürburgring gefunden haben. Die Veranstalter sind dennoch optimistisch, schließlich ist es das erste Mal seit Jahren, dass Grand Tourismo auf Weltmeisterschaftsniveau stattfindet. "Das wird alles noch ganz groß", ist sich Kiefer sicher.
Sport und Show
"Mit dem neuen Niveau Weltmeisterschaft war ein Relaunch der ganzen Veranstaltung notwendig", erklärt Jacquie Groom, die Teamkoordinatorin von SRO. Sie ist eine der vielen unsichtbaren Leute, die im Hintergrund auf Volldampf arbeiten, damit die ganze Veranstaltung und ihre kleinen Gimmicks ein Erfolg werden. Manche der Gimmicks treiben zwar etwas seltsame Blüten, zum Beispiel als der siegreiche Fahrer des Qualifyings, Darren Turner, als James Bond ausstaffiert vor seinem Wagen fotografiert wird. Doch den Fotografen gefällt's und die Techniker amüsieren sich über den Trubel in ihrer Werkstatt.
Ja, auch in die Werkstatt können die Besucher! Hautnah mit dem Team das Rennen verfolgen und den Technikern bei der Arbeit zusehen. Stärker - und ehrlicher - kann man Show und Sport wohl nicht mehr verbinden.
Wie sich Michael Krumm vom Team Nissan Sumo nach der Niederlage seines Teams fühlt und warum er GT Motosport besser als Formel 1 findet, können Sie hier nachlesen.
Wie die Techniker das Rennen erleben, verrät uns Maria Baerthel vom Team Reiter im Interview.
Mitten ins Geschehen der Veranstaltung tauchen Sie in unserer Bildergalerie ein.
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