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Martin Haldenmair FIA GT1 - Michael Krumm Team Nissan Sumo

 

FIA GT1: Interview  Michael  Krumm

Das Qualifying war für sein Team eine herbe Niederlage - der Wagen flog gleich in der ersten Runde aus der Kurve. Zwei Stunden später ist dem Fahrer Michael Krumm, dem Kollegen des Unfallfahrers Peter Drumbeck, die Enttäuschung noch anzumerken. Für MAX nimmt er sich trotzdem Zeit.

Von Martin Haldenmair

MAX Online: Als der Unfall passierte stand das ganze Team in der Box vollkommen still. Wie tief sitzt der Schock?

Michael Krumm: Ziemlich tief. Nach den Vorbereitungen, dem Aufwand, den Investitionen, die da drin stecken. Die ganzen Tests. Und dann ist es nach zehn Sekunden vorbei. Das ganze Wochenende können wir abschreiben, die Meisterschaftschance ist auch dahin. In einem Moment geht das alles weg. Das muss ich erst realisieren und verarbeiten.

Wie reagieren Sie und Ihr Team auf den Vorfall?

Es geht jetzt weiter. Das ist Pflicht im Motorsport. Es ist gegessen, es ist wie es ist. Wir stehen ganz hinten und jetzt müssen wir sehen, wie wir das morgen taktisch anstellen. Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen.

Was sind die besonderen Herausforderungen dieser Strecke ?

Die Strecke ist sehr anspruchsvoll. Wir sind leider erst ein paar Runden im Trockenen gefahren. Ich wollte das Rennen auch dazu nutzen, die Strecke besser kennenzulernen. Das geht jetzt nicht. Jede Kurve ist technisch extrem anspruchsvoll. Die neue Arena, die Schikane hinten und die anderen Kurven. Es ist lange her, dass ich hier war, zwölf Jahre. Der Nürburgring ist insgesamt fahrerisch eine große Herausforderung.

Wie kommen Sie mit dem "Open Paddock"-Prinzip, bei dem die Leute überall reinkönnen, zurecht?

Ich bin das sehr aus Japan gewöhnt. Zu GT kommen dort teilweise 100.000 Leute und das ist auch Open Paddock. Da ist das so extrem, dass ich kaum mehr durchkomme. Da kann ich nicht einfach vom Truck in die Box laufen, sondern da dauert das zehn Minuten. "Open Paddock" wird stressig, wenn ich mich nicht mehr bewegen kann. Hier ist das anders. Hier habe ich Zeit für die Fans, kann mit ihnen reden, fragen 'oh wo hast du denn das Bild gemacht'. Das ist sehr schön, das gefällt mir sehr gut. Ich unterhalte mich gern mit ihnen.

Japan ist auch wichtig für Ihre Karriere. Wie hat sich Ihr ursprünglicher Traum Formel 1 gewandelt?

Ich ging nach Japan, um den Traum Formel 1 zu verwirklichen. Zunächst zu Toyota, da war ich in der Formel 3, das hat vom Timing gepasst. Dann aber ist Toyota doch nicht in die Formel 1 gegangen, sodass es für mich fast keine Chance mehr gab. Man muss mit einem Hersteller in Verbindung sein oder reich, um sich selbst einzukaufen.

Inzwischen finde ich es nicht mehr schlimm. Es hat halt nicht geklappt. Ich fahre gern Rennen aller Art. Formel 3000, Formel 2. Das waren ähnliche Geschwindigkeiten wie Formel 1, damals als Formel 1 noch auf Goodyear fuhr. Das war eigentlich Befriedigung genug. Mir hat der Job Spaß gemacht. Jetzt vermisse ich es nicht mehr.

Was ist das Schöne an GT?

Bei GT ist schön, dass wir zu zweit fahren und ein Team sind. Mit den Mechanikern zusammen. Wir pushen und steigern uns gegenseitig. Ich sehe, wie schnell der andere im gleichen Auto fährt. So sind die Fahrer direkt vergleichbar. Auf diese Weise verbessere ich mich. Für jeden Fahrer ist es natürlich eine Riesenherausforderung nicht gegen seine Teamkollegen - seinen Partner - zu verlieren.

Es wird also hart gekämpft. Härter als in der Formel 1?

Ja. Hier wird härter gefightet. Weil man sich berühren kann, ohne dass was passiert. Das heißt, es wird knallhart auf Kontakt gefahren. Deswegen fahre ich GT mitlerweile lieber als mit den Formelautos. Bei den Formelautos muss ich immer aufpassen, was ich berühre, weil da schnell ein Flügel weg ist. Dann heißt es ab in die Box. Hier können wir uns mehr anditschen, andupfen, anlehnen. Wir können mehr überholen. Das ist auch spannender für den Zuschauer.

Ist bei GT das Team enger als bei Formel 1?

Würde ich schon sagen. Es ist sehr familiär.

Apropos Familie: Sie sind mit einer Japanerin verheiratet. Ist Japan Ihre Heimat geworden?

Schon. Ich lebe zwar seit zwei Jahren wieder in Monaco, aber die eigentliche Heimat ist Japan. Ich pendle viel, weil wir zurzeit viele Rennen in Europa fahren. Aber die Wohnung in Tokio gibt es.

Was mögen Sie an Tokio?

Schön an Tokio ist: Es ist eine 24-Stunden-Stadt. Mit der U-Bahn bin ich in 15 Minuten im Zentrum, dort bekomme ich alles. Ich kann Milch um vier Uhr morgens kaufen. Aber der Smog ist ein Problem. Der Verkehr. Inzwischen kenne ich die Straßen allerdings so gut, dass ich um die Staus herum fahren kann. Es ist hässlich gebaut, überall in den Straßen stehen Strommasten. Vom ganzen Stadtbild ist Tokio sehr hässlich.

Das ist natürlich gewöhnungsbedürftig. Gerade wenn man aus dem Schwabenland kommt.

Genau! Deswegen mache ich keinen Urlaub im Schwabenland mehr. Ich gehe zwar gern nach Deutschland zurück und habe auch ein bisschen Heimweh.

Hat der Magen sich an die neue Heimat gewöhnt?

Ja, hat aber echt lange gedauert. Ich habe lange ein Problem mit Sushi gehabt. Jetzt ist mein Lieblingsessen Tonkatsu. Das ist mit Schwein, wie Wiener Schnitzel mit Reis. (lacht)


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