Benita Heldmann: Frauensicht
Ihre Bilder erzählen Geschichten. Von Frauen, die sich erotisch als Waldfeen, Elfen oder Feuervögel inszenieren. Benita Heldmann wirft einen märchenhaft femininen Blick auf ihr Wesen.
Von Kerstin Kotlar
Aktfotografie ist ein Missverständnis. Jedenfalls am Anfang von Benita Heldmanns Karriere. Amüsiert erzählt die Fotografin aus Hildesheim vom Porträt-Shooting mit der Kundin: "Sie hatte eine Bluse mit großen Schmuck-Knöpfen, die sich bei jeder Bewegung unkontrolliert in alle Richtungen drehten. Nachdem ich sie vier oder fünf Mal aufgefordert hatte, die Knöpfe wieder zu richten, sagte ich kurz ‚mach die ("Knöpfe") mal wieder weg‘. Das Model hat sich einfach ausgezogen. Erst war ich etwas irritiert, habe aber einfach weiter fotografiert. Ob nackt oder bekleidet - eigentlich machte es keinen großen Unterschied."
Das war 1995. Im Laufe der Jahre hat sich das Missverständnis zur Arbeitsgrundlage der Fotografin entwickelt. Jetzt lassen die Frauen, die zu ihr kommen, ganz gezielt die Hüllen fallen. Dennoch ist für Heldmann die Nacktheit nach wie vor zweitrangig. "Sie ist ein Mittel zum Zweck der Inszenierung. Meine Models sind nackt, aber nicht entblößt und vorgeführt", betont Heldmann. "Sie zeigen sich selbstbewusst, spielen bewusst mit den weiblichen Klischees und distanzieren sich."
Feen und Vamps
Eine Frau, die nackte Frauen fotografiert ist eher selten. Allerdings hat sich ihr Exoten-Status "langsam verflüchtigt oder ich bin in der Wahrnehmung abgestumpft" stellt die Aktfotografin fest. Auch bei ihren Ausstellungen und Veröffentlichungen haben die Betrachter nicht in erster Linie die Nacktheit im Blick. "Ich möchte den Menschen und einen Teil seiner Persönlichkeit im Motiv festhalten", erläutert Heldmann die Faszination für Akt. "Um diese Nähe zum Model zu schaffen, muss ich mich für die Frau interessieren und ihre Stimmungen wahrnehmen."
Sie ist eine Frauenversteherin ganz im positiven Wortsinn. Was Benita Heldmann fasziniert, sind die verschiedenen Rollen, in die ihre Models schlüpfen. Dort entblößen sich dann die exotische Prinzessin, geheimnisvolle Elfe, sexy Vamp, erotischer Engel oder mystische Göttin. Die märchenhaften Aufnahmen schafften es im Dezember 2010 sogar auf das Titelbild des "View Spotlight Online-Magazins".
Diese Bilder inszenieren die Frauen, mit Hilfe der arrangierten Accessoires drücken sie eine ganz spezielle Seite ihrer Persönlichkeit aus. Farbenfrohe Federn, hauchzarte Tücher oder fabelhafte Wesen umschmeicheln die nackten Körper. Es dominieren schöne Lichtstimmung und eine geheimnisvolle Distanz. Um das hervorzuheben, wird die Fotografin im Anschluss an das Shooting zur Fotodesignerin. Digital ergänzt sie beispielsweise illustratives Beiwerk, geht aber dennoch mit der Photoshop-Technik sparsam um. Am wichtigsten ist doch immer die reale Grundlage. "Eine echte Herausforderung sind Models, die mir während eines Shootings gnadenlos immer den gleichen, antrainierten Erotik-Blick oder die vor dem Spiegel geprobte Erotik-Pose anbieten", schmunzelt die Fotografin. Diese Muster gilt es auszuhebeln und das erfordert von Benita Heldmann viel Verständnis.
Eine Auswahl der märchenhaften Wesen präsentiert unsere Bildergalerie. Mehr Fotos von Benita Heldmann sind zu sehen auf ihrer Homepage.
Eintauchen in die Unterwasserwelt von Benita Heldmann können Sie in Wasserspiele.
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