Jason Taylor: Blubber-Art
Außerirdische mit Tiefgang - die einzigartigen Unterwasser-Kunst-Projekte des Jason Taylor.
Sie gleichen Geistern aus einer anderen Welt. Und doch verschmelzen sie langsam aber sicher mit ihrer Umgebung. Die Skulpturen des Künstlers Jason Taylor sind Hingucker und Mahnmal zugleich. Vier bis acht Meter tief unter der Wasseroberfläche fristen sie ihr Dasein. Ein Mann am Schreibtisch mit Schreibmaschine, Frauenkörper auf dem Meeresgrund, eine kniende Figur im Sand und andere lebensgroße Skulpturen warten auf Besucher von oberhalb und unterhalb des Meeresspiegels.
Ihr Material und die Oberfläche ist eigens so konzipiert, dass sie die Ansiedlung von Pflanzen und Tieren fördern. Die Meeresbewohner nehmen das Angebot gern an. Je länger sie liegen, desto mehr gleicht sich die Form der Figuren der Umgebung an. Im Mai 2006 installierte Jason Taylor seine erste, zauberhafte Unterwasserwelt in Grenada, West-Indien. Seitdem ist viel passiert. Faszinierende Pflanzen umschlingen die ehemals kahlen Zementköpfe der Skulpturen. Die leblosen Objekte wurden zu einem belebten Teil des schillernden Riffs. Dort, wo einstmals Taucher die Körper installiert haben, stehen sich nun Fische und menschliche Besucher Auge in Auge gegenüber.
Stille Revoluzzer unter Wasser
Doch nicht nur in Grenada verändert die Kunst Taylors die bedrohte Unterwasserwelt. Auch an anderen Orten hält er die Zerstörung von Riffs mit seiner Kunst auf. Das schafft er in Projekten von gigantschen. In dem vor Mexiko gelegenen National Marine Park of Cancun versenkte Taylor über 400 Figuren im stillen Ozean. Als Anklage und Neuanfang gleichermaßen konzipiert, scheint sich die Menschenmenge in einem stillen, aber ewigen Protest zu vereinen. "La Evolución Silenciosa", die stille Revolution des 21. Jahrhunderts findet für den Künstler unter Wasser statt. Die aktuellen Fotos zeigen: Die maritime Welt nimmt an dieser Aktion teil!
Das neueste Werk dieses Ausnahmekünstlers greift die Konsumwelt des Westen an: Ein fetter Mann sitzt vor der Glotze. Vor seinem Hängebauch liegt ein dicker Burger und fetttriefende Pommes - aus Stein. Was genau sich dieser Couchpotatoe gerade im Fernsehen ansieht, ist unklar, doch der dümmlich-abwesende Blick macht klar: ARTE ist das nicht. Noch wundern sich die eigentlichen Bewohner dieser Welt ein wenig über den Neuen, doch schon bald wird das feiste Gesicht des Mannes von bunten Korallen überzogen sein, Wasserpflanzen werden sich an ihm festsaugen und verschiedenste Fische um ihn herumschwärmen. Dann wird diese hässliche Figur plötzlich eine ganz eigene Schönheit besitzen. (ae/jmr)
Einen eindrucksvollen Einblick in die Unterwasser-Projekte des Künstlers finden Sie in unserer Bildergalerie.
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