Tomatina: Orgie in Rot
Es gibt so schöne Dinge, die man mit Tomaten machen kann - Salate, Suppen, Saucen. Die Bewohner des spanischen Dorfes Brunol haben jedoch eine ganz andere Verwendung für das rote Obst entdeckt: Sie feiern eine enorme Tomatenschlacht.
"Tomaten, Tomaten, wir wollen Tomaten", rufen die Bewohner von Brunol in der Nähe von Valencia schon am frühen Morgen. Die brauchen sie nicht zum Kochen. Die roten Früchte sind ihre Waffen, denn einmal pro Jahr ist man in der spanischen Kleinstadt nicht mehr sicher. Jedes Jahr am letzten Mittwoch im August regnet es Tomaten, genau gesagt mehr als hundert Tonnen. Für eine Stunde feuern Menschen auf der Tomatina mit den überreifen Früchten und suhlen sich im Gemüseschlamm.
Woher die Tradition der Tomatina kommt, weiß niemand mehr so genau. Einige sagen, der Ursprung der Fiesta liege ausgerechnet im Hungerjahr 1944, als eine Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Nachbarn mit der roten Frucht ausgetragen wurde. Eine weitere Theorie ist, dass die Schlacht bei einem Karnevalszug entstand, bei dem sich die Kontrahenten die Munition in den umstehenden Gemüseständen suchten.
Tradition hin oder her, die Tomatina ist mittlerweile so bekannt, dass Touristen aus der ganzen Welt anreisen - im Gepäck immer die Basisausstattung für den Gemüsekampf. Dazu gehören Shorts und Taucherbrille. Wenn um Punkt zwölf der Startschuss fällt und das Spektakel beginnt, verwandeln sich die Gassen der Altstadt binnen Sekunden in eine große Tomatenbrühe. Einwohner, Schaulustige, Touristen - jeder wird zur Zielscheibe. Selbst Kirche und Rathaus bleiben nicht verschont.
Ein Regelbuch für dieses Gemüsegefecht gibt es nicht, bis auf eine Ausnahme. Knallen gegen ein Uhr das zweite Mal die Böller, darf sich keine Tomate mehr in der Luft befinden. Getreu dem Motto: Erst das Vergnügen, dann die Arbeit, beginnt schon kurz nach dem vegetarischen Vandalismus das Aufräumen. Mit Wasserschlauch, Holzschiebern und frischer Farbe wird alles, was nicht tomatensicher war, erneut auf Hochglanz gebracht - für kurze Zeit. In zwölf Monaten sind die nächsten Früchte reif.
Beeindruckende Impressionen der wilden Schlacht finden Sie in unserer Bildergalerie.
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