Schwert und Dolch: Mein erster Schwertkampf
In München kämpfen Mittelalter-Fans in guter alter Tradition mit Schwertern und Dolchen gegeneinander. Das wollte MAX-Reporterin Lisa auch mal ausprobieren. BAM BAM BAM!
Von Lisa Altmeier
Eine friedlich aussehende Grundschule am Dom-Pedro-Platz in München. Keine der abends vorbeihuschenden Gestalten ahnt, dass hier gerade Kämpfe ausgefochten werden. Mittelalterliche Schwertkämpfe. Und ich bin mittendrin.
Eine Rüge vom Trainer
Hier in der Turnhalle trainiert der Verein "Ochs - historische Kampfkünste". Junge Leute duellieren sich nach den Gesetzen des Mittelalters. Ich habe noch nie zuvor ein richtiges Schwert in der Hand gehalten. Bin nervös. Und aus plötzlich nicht mehr nachvollziehbaren Gründen hatte ich gedacht, dass es sich bei einer Jeans um geeignete Kampfausrüstung handelt. Dafür erhalte ich gleich einen Rüffel von Trainer Julian: "In solcher Kleidung kann man doch keinen Sport machen". Ich verkneife mir den Kommentar, dass es sich um eine äußerst dehnbare Stretch-Jeans handelt und senke meine Augen. Lassen sie mich in dem Outfit überhaupt das Schwert ergreifen?
Wegen meiner unpassenden Kleidung muss ich die Aufwärmrunde ausfallen lassen. Die richtig bekleideten Kämpfer schwingen ihre Schwerter über den Köpfen, während sie sich joggend durch die Turnhalle bewegen. Es sind etwa zwanzig junge Leute, Frauen sind unterrepräsentiert. Außer mir sind nur noch zwei andere Kämpferinnen vor Ort. Die "Ochsen", wie sie sich untereinander nennen, tragen keine historischen Kostüme, sondern eine sportliche schwarz-orangene Vereinskluft. Sie wollen nämlich nicht so aussehen, wie die Menschen im Mittelalter, sondern einfach nur nach den Regeln kämpfen, die sie in historischen Quellen finden. Am liebsten würden alle sofort zu den Schwertern greifen, aber Trainer Julian trommelt sie nochmal zusammen. "Wenn wirklich einer mit dem Messer auf euch zugeht", schärft er den Mittelalter-Fans ein, "dann macht ihr den Supermann. Ihr rennt davon. Klar?". Alle beeilen sich zu sagen, dass ihnen das total klar ist. Ich habe das Gefühl, sie hören nur mit halbem Ohr zu, weil ihnen Adrenalin durch die übrigen eineinhalb Ohren saust. Mir auch.
Kampf gegen den Turm
Ich will kämpfen! Anscheinend kann ich den Trainer mit meinem aggressiven Blick überzeugen. "Los geht's, Lisa". Er überreicht mir ein sogenanntes "Langes Schwert". Es ist gar nicht mal so schwer wie ich dachte. Und es fühlt sich gut an. Meinen ersten Gegner hatte ich mir aber anders vorgestellt: Es ist kein finsterer Ritter, sondern ein Turm aus alten Autoreifen. Nunja. Ich konzentriere mich darauf, die Hände so um die Waffe zu wickeln, wie Julian es mir vormacht. Dann übe ich zielen. BAM BAM BAM. Juchu, es macht Spaß. Auch wenn ich nur gegen altes Gummi antrete. "Ich mach euch fertig, ihr verdammten Autoreifen", denke ich, während ich mit der Spitze in das Herz eines halb zerfetzten Reifens ziele. HAH, damit hatte der Turm nicht gerechnet. Der Trainer zeigt mir, wie ich durch geschickte Handgriffe meine Stöße perfektionieren kann. Vor, zurück, hui, meine Koordination war noch nie überragend.
Plötzlich ein dumpfer Knall. Einem jungen Mann ist der Dolch aus der Hand gefallen. Übungsleiter Julian guckt ihn streng an:"Du weißt, was das heißt: Zehn Liegestütze". Zehn Liegestütze? Ich klammere mich an mein Schwert. Bloß nicht fallen lassen!
"Hast du mal Ballett gemacht, oder was?"
Julian entscheidet, dass ich jetzt soweit bin: Er schnappt sich auch ein Schwert und stellt sich mir gegenüber. Erst muss er mir nochmal die Grundposition für die Füße zeigen, die habe ich in der Aufregung nämlich schon wieder vergessen. Aber er ist nachsichtig. Meistens zumindest:"Du stehst viel zu gerade! Hast du mal Ballett gemacht, oder was?". Ähhm, nein. Wenn man beim Kämpfen aussieht wie eine Ballettänzerin, läuft wohl was schief. "Du musst viel mehr in die Knie gehen, bisschen lockerer". Ich bemühe mich sehr angestrengt, ganz locker zu sein. Dann darf ich endlich mein Schwert gegen ihn erheben. Zack. Ich übe die Schwertführung von links unten nach rechts oben und umgekehrt. Wenn ich meinen Kopf ausschalte, funktioniert es einigermaßen. Unsere Schwerter klirren aneinander.
Am besten gefallen mir wider Erwarten aber nicht die Schwertübungen. Die sind nämlich viel zu zahm, als dass ich mich richtig austoben könnte. Richtig wild kämpfen darf ich mit einem Dolch. Okay, der Dolch sieht sehr selbstgebastelt aus und man könnte damit höchstwahrscheinlich niemanden töten, aber immerhin setzt der Trainer mir einen riesigen Helm auf und ich darf viel zu große schmutzige Handschuhe tragen. Wir stellen uns auf eine gelb-rote Matte. Und dann geht's richtig los. Ich muss versuchen, Julian mit dem Dolch auf den Kopf zu schlagen. Er trägt natürlich auch einen Fechthelm, sonst wäre das zu gefährlich. Nachdem erste Koordinationsstörungen beseitigt sind, macht es richtig Spaß. Die Arme muss ich immer so halten, dass sie Schläge abwehren können.
"Du schlägst gut zu"
BUMM! Das war der erste Dolchstoß gegen meinen Kopf. Heftiger als ich dachte. Unter dem Helm fallen meine Haare aus dem Zopfgummi und legen sich über meine Augen. Ich kann meinen Gegner nur noch schemenhaft erkennen. Das lasse ich mir natürlich nicht anmerken. Von wegen Ballerina! Ich kämpfe weiter. Und lande einen Treffer. Wieder BAM BAM BAM! Ich muss mich konzentrieren, um all meine Körperteile gleichzeitig zu kontrollieren, aber es klappt. Stark. Nur die Haare vor den Augen nerven. Ich kämpfe mich in Ekstase. Dann endlich ein Lob vom Trainer. Ich habe ihn mit meiner Aggression und meiner Furchtlosigkeit beeindruckt: "Du kannst echt gut zuschlagen. Die meisten Leute haben ja beim ersten Mal Angst, dass sie jemanden verletzen. Du haust aber ja richtig zu". Das tut meiner geschundenen Ballett-Seele gut.
Ich habe das Gefühl, dass die Umstehenden mich ein wenig belächeln, weil meine Körperteile sich ab und an ineinander verknoten. Einen Moment lang lasse ich mich davon irritieren und schon reißt Julian mir meinen Dolch aus der Hand und schlägt mich. "Lisa, ich sag es nur ungern, aber jetzt bist du tot". Uuupps. Mist. Niemand soll mich ungestraft töten. Ich möchte mich revanchieren, aber leider zeigt ein Blick auf die Uhr, dass die Trainingszeit schon vorbei ist. Ich muss tot nach Hause gehen.
Wie es unserer Autorin erging, sehen Sie in der Bildergalerie zum Schwertkampf.
PS: Lust bekommen, selbst zu kämpfen? Der Verein bietet am 21. und 22. Januar einen Anfängerkurs zum Langen Schwert an.
- Hier können Sie einen passenden und weiterführenden Link zum Thema vorschlagen.




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