NRW Forum: Penis & Blume
Robert Mapplethorpe huldigte mit seinen Fotos den Idealen von Perfektion und Form - mit Motiven, die vielen Menschen Angst und Schrecken einjagten. Nun zeigt das NRW Forum eine umfassende Ausstellung des Fotokünstlers. Und warnt davor.
Von Andrea Ege
1946 wurde Robert Mapplethorpe geboren. 1989 starb er. In der Zwischenzeit bezauberte - und spaltete - er die Welt mit seiner fotografischen Ästhetik. Mapplethorpe sagte selbst, er sei von Schönheit fasziniert. Für viele Menschen jedoch zeigten seine Fotos eine gefährliche Art von Schönheit.
Mit der entsprechenden Konsequenz. In Japan wurde ein Band mit Mapplethorpe-Fotos beschlagnahmt und acht Jahre lang unter Verschluss gehalten. Erst dann beschloss das Oberste Gericht im Jahr 2008, dass seine Bilder doch nicht gegen das Pornografieverbot verstoßen. Der Direktor einer Mapplethorpe-Ausstellung in Cincinnati musste sich vor Gericht gegen die Klage verantworten, er hätte obszöne Bilder öffentlich gemacht.
Penisse und Blumen
Tatsächlich spiegelten eine Menge der Fotos Mapplethorpes exzessives Leben wider. Radikal inszenierte er seine optischen Ausflüge in die New Yorker Subkultur und zeigte der Welt, dass sich auch Sadomaso-Praktiken ästhetisch darstellen lassen. Seine Kamera schreckte vor nichts zurück, nicht vor Homosexualität, nicht vor der Gegenüberstellung von Penissen und Blumen, nicht vor sexuellen Aktaufnahmen und nicht vor einem Selbstporträt, das eine Bullenpeitsche in seinem Anus zeigt.
Durch sein exzessives Leben begleitet wurde Robert Mapplethorpe von der Sängerin Pattie Smith. Er hatte die damals noch unbekannte Musikerin während seines Kunststudiums kennengelernt. Sie stand zu ihm, bis er im Alter von gerade mal 43 Jahren starb. An Aids. Nachdem es bekannt war, dass er daran erkrankt war, schossen die Preise für seine Bilder in die Höhe. In nur einem Monat verkaufte er Fotos im Wert von einer halben Million Dollar.
Warnhinweis
150 Bilder aus seiner gesamten Schaffenszeit zeigt das NRW Forum in Düsseldorf vom 6. Februar bis 15. August. Unter den ausgestellten Werken finden auch auch solche, die von vielen in den 80ger-Jahren als gefährliche Schönheit eingestuft wurde. Daher schließt die Ankündigung der Ausstellung mit dem Hinweis: "Viele Motive in Mapplethorpes Fotografien sind eindeutig sexueller und homoerotischer Natur und können Besucher, insbesondere Jugendliche, in ihren Empfindungen verstören." Jugendliche unter 16 Jahren dürfen die Ausstellung nur in Begleitung Erwachsener betreten.
Wer sich nicht daran stört, bekommt eine Vorschau auf die Ausstellung in unserer Bildergalerie.
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