Zum zweiten Wiesnsonntag, am 25. September, zog das Rote Kreuz Zwischenbilanz für die ihre Einsätze bei der Wiesn. Erfreulich: Etwa ein Fünftel weniger Besucher mussten ihren Weg in einen der vier Stützpunkte auf der Theresienwiese finden. Doch das liegt nicht nur an möglicherweise vernünftigeren oder robusteren Gästen, sondern schlicht am Wetter. Schönes Wetter lockt mehr Leute auf die Wiesn, Mehr Leute, mehr Feierwütige, mehr Verletzte - ganz einfach.
Denn die meisten Patienten, die vom Roten Kreuz verarztet werden sind keine reinen "Alkoholleichen", die ausgenüchtert werden müssen. Sie kommen vielmehr mit Verletzungen, bedingt durch zu viel Alkohol: Platzwunden von Stürzen und Ähnliches. "Die typische 'Alkoholleiche' ist männlich und zwischen 18 und 30 Jahre alt", erklärt Dr. Behrbohm. Auch Jungendalkoholismus spiele nur eine kleine Rolle, bisher hatte das Rote Kreuz auch nur einen Jugendlichen wegen Alkoholvergiftung in Obhut nehmen müssen. Insgesamt machen die Alkoholvergiftungen ein knappes Zehntel der Behandlungen aus.
Häufig behandelt das Rote Kreuz Schnittverletzungen. Frauen tragen auf der Wiesn gerne Ballerinas. Leicht und bequem, doch für Glasscherben sind sie nur ein Hauch Stoff und kein Hindernis. Und je später die Wiesn, desto mehr Glasscherben liegen auf dem Boden. Die Männer verletzen sich selten die Füße - die meisten tragen robuste Treter - dafür aber die Hände. Beim schwungvollen und immer schwungvolleren Zuprosten springt schon mal der Henkel von den Glaskrügen ab und die Scherben bohren sich ins Fleisch - das kann bis zum Knochen gehen.
In den Zelten herrscht, bei guten Wetter, also ganztägig starkem Besuch, eine Temperatur von über 30 Grad. Draußen hat es auch am heißesten Septembermittag gute 20 Grad und Nachts kühlt es schnell ab. Wer sich von Zelt zu Zelt tanzt, setzt sich also großen Temperaturschwankungen aus, bis der Körper nicht mehr mag. So gibt es auch auf einer friedlichen Wiesn jeden Tag genug zu tun für die größtenteils freiwilligen Helfer des Roten Kreuzes. Vom einfachen Blasenpflaster bis zu einer Wiederbelebung bei Herzstillstand war schon alles geboten.
Für die letzten fünf Tage erwarten die Helfer eine Menge Besucher auf der Wiesn und letztendlich auch bei ihren Einrichtungen. Seit dem zweiten Wiesnwochenende wird die Truppe auch duch Helfer des Weißen Kreuzes aus Südtirol verstärkt, die Italienisch dolmetschen können. Gute Schuhe zu tragen, empfiehlt Dr. Behrbohm den weiblichen Besuchern. Und allgemein gilt: "Gut und kräftig essen - eine Unterlage für das Bier schaffen. Außerdem neben Alkohol auch was anderes trinken, denn in den heißen Zelten steigt der Flüssigkeitsbedarf". Also: Wenn Sie die nächsten fünf Tage ohne Zwangspausen feiern wollen, wissen Sie, was zu tun ist.
Wie das Hauptquartier des Roten Kreuzes auf der Wiesn aussieht, sehen Sie in unserer Bildergalerie.
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