New Burlesque: Vorreiterinnen der New Burlesque
Wie auch bei den Burlesque-Ikonen der 20er-Jahre geht es den Teaserettes also nicht um plumpe Anmache. Stattdessen möchten sie weibliche Erotik selbstbewusst demonstrieren und gängige Gender-Klischees auf provokative Weise karikieren.
Schon im italienischen Theater des 16. Jahrhunderts, wo der Begriff "Burleske" (Scherz) erstmals auftauchte, stand er für eine überzogene Darstellung der Realität. Anspruch war vor allem, moralische und ethische Werte zu vermitteln.
Vom 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein belustigte das burleske Theater vor allem die unteren sozialen Schichten in Großbritannien und den USA. In den grob-komischen Shows verschmolzen Musik, Comedy und aufreizender Tanz zu literarischen Parodien oder vulgären Possen - stets mit dem Ziel, die Kultur und den Lebenswandel der Oberschicht zu karikieren.
Mit Fetisch und Striptease zur Pin-up-Ikone
Als in den 50er-Jahren Einflüsse der aufkommenden Pin-up-Kultur hinzukamen, entstand ein völlig neuer Burlesque-Stil, der die Weichen für die heutige New Burlesque legte. Diese Zeit brachte große Namen wie Dixie Evans, Mae West und die mittlerweile 80-jährige Tempest Storm hervor, die bis heute als Vorreiterinnen der New Burlesque gelten.
Der unangefochtene Burlesque-Star der Fünfzigerjahre aber war das amerikanische Fetisch- und Aktmodel Bettie Page. Mit ihrer hemmungslosen Art beim Posieren vor der Kamera avancierte sie innerhalb kürzester Zeit zur Pin-up-Ikone und Wegbereiterin der sexuellen Revolution.
Emanzipation per Humor, Orangenhaut und Schwabbelbauch
Künstlerinnen wie Dita von Teese erinnern mit ihren Posen und dem leichten, naiv ausgelebten Fetisch-Appeal noch heute an das schwarzhaarige Sexsymbol mit dem Prinz-Eisenherz-Pony. Mit einem solch makellosen Körper wie Betty Page sind die heutigen Tänzerinnen nicht immer gesegnet. Im Gegenteil. In der Burlesque-Szene bejubelt das Publikum wie selbstverständlich vollbusige Damen mit Orangenhaut, Reiterhosen oder Schwabbelbäuchen.
"Im Burlesquen zeigen sich Frauen, wie sie sind, das ist das Emanzipatorische daran", findet Sandy von den Teaserettes, deren Einstellung die Philosophie der Burlesque-Kultur widerspiegelt. Es geht hier nicht um ein klassisches Schönheitsideal, sondern darum, dass die Performerin ein gesundes Selbstbewusstsein und Humor transportiert und das unabhängig von ihrem Alter und Aussehen, erklärt die Bremer Burlesque-Künstlerin Eve Champagne, die ebenfalls regelmäßig im "Queen Calavera" auf der Bühne steht.
"Eine einheitliche Norm gibt es wunderbarerweise nicht, das macht Burlesque so vielseitig. Eine Mischung aus derber Komik und weiblicher Anmut. Ein Spiel mit Erotik ohne Aufgeilen, dreckige verrauchte Bars ohne Schmuddel. Eben eine Kunstform, die alle meine Bedürfnisse erfüllt." Wie Eve Champagne geht es auch vielen Gästen des "Queen Calavera", denn der Laden ist mit rund 250 Gästen pro Abend brechend voll.
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