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Gordeon Music/ Collage: Martin Haldenmair Mischpoke Invasion

 

Mischpoke Invasion: "Ich  wüsste  nicht,  wo  man  als  Jude  sicherer  leben  könnte"

Zur Mischpoke Invasion touren vier israelische Top-Acts durch Deutschland. Wir unterhalten uns mit dem Organisator und Initiator der Idee Andrew Campbell über den israelischen Musikstil und darüber, wie Israelis Deutschland erleben.

Von Martin Haldenmair

Alle Informationen zur Tour, zur Idee dahinter und zu den auftretenden Bands finden Sie auf der nächsten Seite.

MAX Online: "Mischpoke Invasion" heißt die Tour, der Name ist eine Mischung aus Jiddisch und Englisch. Was bedeutet er?

Andrew Campbell: Der Hintergedanke bei "Mischpoke" ist: Wir sind eine Familie, wir fühlen uns nicht nur intern als Familie sondern wir wollen sie nach außen hin öffnen. Bei der Kombination "Mischpoke Invasion" gab es in Israel einige Augenzwinkernde Nachfragen "Kann man wirklich 'Invasion' sagen".

Klingt etwas zaghaft.

Campbell: Ja, die israelischen Künstler sind etwas verunsichert, wenn es um die internationale Präsenz geht, was mich traurig macht. Ich persönlich habe das Gefühl, sie stellen sich schlechter dar, als sie sind.

Woran liegt das?

Campbell: Ich mutmaße hier, aber vielleicht ist es so: Viele junge Israelis sehen sehr kritisch, was in ihrem Land passiert und vielleicht nehmen einige ein Stück weit eine Büserrolle ein, wie wir sie in Deutschland ein Stück weit wegen unserer Geschichte haben. Auf der anderen Seite sind sie auch sehr stolz auf das, was in ihrem Land entsteht aber gleichzeitig haben sie das Gefühl - so denke ich - dass die Weltgemeinschaft eine gewisse Auffassung zu Israel hat, die so negativ gar nicht da ist.

Wie stehen sie denn zu ihrem Musikstil?

Campbell: Die Israeli haben auf jeden Fall einen eigenen Musikschluss und ich denke, sie sind sehr stolz drauf. Ich glaube, das ist ein sehr zukunftsweißender Stil. Israelische Künstler ziehen Einflüsse aus der ganzen Welt heran - oft leben sie eine Zeit lang in den USA, Frankreich oder Deutschland und werden von der Musik geprägt. Dazu kommt die orientalische Würze. Die Musik trifft genau den Puls der Zeit.

Ganz banal: Deutsche fahren in die Türkei in den Sommerurlaub, hören orientalische Klänge, und das gefällt ihnen. Nicht nur Tarkan, sondern auch andere Künstler haben es geschafft, über diesen Zeitraum der "orientalischen Sommerfrische" bekannt zu werden. Da liegt eine große Chance für den israelischen Musikstil. Wo es auf der türkischen Seite vielleicht ein Stückchen zu orientalisch wird, finden die Israelis einfach den richtigen Mix.

Hat das deutsche Publikum Berührungsängste mit israelischen Musikern?

Campbell: Überhaupt nicht. Wir waren in vielen musikalischen Bereichen unterwegs, es hat nie Ressentiments gegeben. Auch nicht, dass lokale Veranstalter abgesagt hätten, weil es ihnen zu gefährlich war. Die Behörden sind natürlich informiert und "Mischpoke Invasion" hat eine andere Qualität als wenn ich mit vier amerikanischen Bands unterwegs bin. Wir wollen ja zum einen israelische Popkultur in Deutschland vorstellen, zum anderen aber auch den Musikern signalisieren: Ihr müsst euch nicht verstecken, ihr könnt auch stolz sein, aus Israel zu sein.

Die Tour nimmt nicht viele Städte in den neuen Bundesländern mit. Woran liegt das?

Campbell: Das ist der der Kurzfristigkeit geschuldet. Die Idee zur Tour entstand auf dem letzten Reeperbahnfest in Hamburg. Mit dem Booking haben wir im Mai angefangen und waren ziemlich spät für dieses Jahr. Darum haben wir in einigen Städten keinen Veranstaltungsort mehr bekommen. Wir wären gerne nach Dresden.

Also nur logistische Gründe?

Campbell: Wäre es anders, würde ich nicht nach Rostock fahren. Dort gibt es übrigens eine junge jüdische Gemeinschaft, die sehr aktiv ist und für den Showcase sehr wirbelt.

Am 28. August wurde in Berlin ein Rabbiner angegriffen. Hat das einen Einfluss auf die Tour?

Campbell: Sieben Tage vor Konzertbeginn spielt uns so etwas natürlich überhaupt nicht in die Hände. Es ist sehr traurig, dass so was passiert, aber wir müssen damit einfach umgehen. Selbst wenn so etwas passiert, ist das kein Grund, sich zu verstecken. Es zeigt uns, dass wir mit stolzer Brust nach vorne gehen müsse - jetzt erst recht! - und sagen: "Wir gehören in die Weltgemeinschaft und das ist auch gut so, dass wir dahin gehören."

Ich bin selbst Jude und ich trage um meinen Hals einen Davidstern. Das ist für mich das Normalste von der Welt. Ich habe mich kürzlich mit einem Kollegen aus Israel getroffen, der jetzt nach Berlin gezogen ist. Der hat mich mit großen Auen angesehen "Wie? Du traust dich das?" "Ja selbstverständlich traue ich mich das, warum sollte ich mich nicht trauen, auch wenn ich im Osten, wohne, gehe ich damit ins Fitnesstudio". Das zeigt mir, dass es sehr wichtig ist, diese Jugendbewegeung, die ja da ist, abzuholen. Dass es wichtig ist, dass die jungen Menschen aus Israel nach Deutschland kommen, damit wir ihnen zu zeigen: Ihr habt echt eine falsche Vorstellung.

Gab's jemals Probleme mit dem Davidstern?

Campbell: Nö. Ich bin Amerikaner, ich habe Probleme, wenn Leute mitgekriegt haben, dass ich Amerikaner bin. Damit, dass ich mich offiziell zum Judentum bekenne, noch nie. Es gibt andere Regionen der Welt, wo ich das nicht tragen würde, aber doch nicht in Deutschland, wo sind wir denn? Wahrscheinlich ist man als Jude in keinem Land sicherer als in Deutschland. Klar, Idioten gibt es in jedem Land, das kann man nicht verhindern. Aber ich wüsste nicht, wo man sicherer leben könnte.

Wer die Künstler sindm wie sich ihre Musik anhört und wo sie auftreten verraten wir auf der nächsten Seite im Artikel zu Mischpoke Invasion.

Weiterführender Link: Homepage zu Mischpoke Invasion
Die Facebook-Seite zu Mischpoke Invasion

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