Perfekte Nacht in ...: Perfekte Nacht in Köln
Wilder Trash und Hochkultur. In Köln erlebt man beides in einer Nacht. Die Fast-Millionenstadt am Rhein hat einiges zu bieten. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg zu einer Tour mit Arien und Schweißflecken.
Von Tim Wessling
Es ist früher Abend und der Magen knurrt wie verrückt. Vor uns liegt eine wilde Party-Nacht in der Domstadt. Um die durchzustehen, brauchen wir dringend ein paar Kalorien im Magen. Unser Vorschlag dafür: Der "Dinnerclub" am Chlodwigplatz. Die Karte ist zwar spärlich besetzt, aber das Dreigang-Menü wechselt jeden Abend, ist erstaunlich bezahlbar und jedes Mal wieder aufs Neue fantastisch. Bei dieser Gelegenheit holen wir uns übrigens auch die tägliche Dosis Hochkultur ab. Denn hier singen die Kellner ganz gerne mal eine Arie aus der Zauberflöte oder die Opern-Version von "I Will Survive". Da freut sich Kopf und Bauch. Schnell noch in Bar bezahlen (das Lokal nimmt keine EC-Karten an) und mit der Bahn zum Zülpicher Platz.
Schlabber-Schleck-Cocktail
Was für ein Zufall! In roten Lettern sehen wir die vielversprechende Leuchtreklame des "Oscar's" - einer schnuckeligen Cocktailbar. Wir kehren zielstrebig ein. Drinnen auf jeden Fall einen "Ed von Schleck" bestellen. Der ist zwar pappsüß, schmeckt aber wirklich wie das Eis, das wir das letzte mal mit 12 auf der Hand hatten. Ja, so lässt es sich leben. Doch es ist so langsam Geisterstunde und die Füße werden zittrig. Auf geht's! Wir wollen was erleben!
Um direkt auf die ewige Frage zu kommen: Ja, im Diamonds kann man Menschen treffen, die vor 3 Jahren mal eine Nebenrolle in "Verbotene Liebe" gespielt haben. Und nein, es macht keinen Spaß sich von eben diesen Z-Promis von der Empore aus mit Vodka-Energy begießen zu lassen. Das dürfte auch der Grund sein, warum wir dort am heutigen Abend nicht aufschlagen werden.
leve und levve losse
Denn in der Stadt am Rhein lebt es sich recht ungeniert. Man lässt den Nebenmann eben am liebsten in Ruhe - und alles was außerhalb des eigenen Veedels passiert fällt sowieso bald von der Erdenscheibe. Das gilt auch für das Nachtleben. Vielleicht eignet sich Köln auch deshalb so gut zum hemmungslosen Abspacken. Mit der KVB geht es also zur Venloer/Str.-Gürtel. Den Burger King rechts liegen lassen, links abbiegen und in die Schlange zur "Die Werkstatt" einreihen. Und drinnen die Arme in die Luft schmeißen. Ja, es kann in diesen Räumen recht skurril erscheinen. Und nein, das Handy hat hier keinen Empfang. Aber was soll's.
Ein bisschen verschwitzt? Müde vom Tanzen? Ab an die frische Luft. Und wo wir schon mal draußen sind, können wir auch gleich die 200 Meter zum "Underground" laufen. Wer hier vor 4 Uhr Morgens aufschlägt, ist entweder neu in der Stadt oder hat gerade sein Abi hinter sich gebracht. In unserem Zustand freuen wir uns aber über die wahnsinnig coole Spiegel-Wand und den Elektro-Remix von "Don't Look Back In Anger". Los! Die Hände in die Luft - die Schweißflecken interessieren jetzt auch niemanden mehr.
After-Hour-Keller
Draußen blinzelt schon die Sonne, die Reinigungskraft schwingt drohend ihren Besen und wir stehen noch verwirrt auf der Tanzfläche? Das ist der perfekte Zustand für unseren After-Hour Plan! Durch den Innenhof wurschteln wir uns durch zu den Taxis. Ja, wir könnten auch die Straßenbahn nehmen, aber neben den ganzen vernünftigen Menschen, die jetzt zur Arbeit fahren kommt man sich immer so dreckig vor. Wir drücken also dem freundlichen Fahrer 10 Euro in die Hand und sagen: "Venus Celler". Kein Schuppen der Stadt hat länger auf, als dieses schmucke Etablissement. Und wer um 10 Uhr morgens alleine aus der Tür stolpert, ist selber schuld ...
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