Dubai: So viel Küste wie Kalifornien
In dem angeblich 950 Meter hohen, spitz zulaufenden Turm soll ein Hotel von Armani entstehen, eine Stadt in der Stadt mit Shoppingcenter und Vergnügungsvierteln. Doch mit Details ist man sparsam beim Projektentwickler Emaar. Die Konkurrenz schläft nicht. In Indien wird angeblich an einem noch höheren Haus gebaut. Das könnte den Plan des Herrschers empfindlich durchkreuzen, zum größten Baumeister des 21. Jahrhunderts aufzusteigen.
Aber Al Maktoum will sich sowieso eher mit dem "achten Weltwunder" verewigen. Mit drei im Meer aufgeschütteten Inselkonstruktionen, die sogar vom Mond sichtbar sind und die Form von Palmen haben. Und was auf Zeichnungen aussieht, als sei dies alles so groß wie Legoland im dänischen Billund, hat von Nahem besehen schier unfassbare Ausmaße. Zwei der drei Palmen sind größer als die Innenstadt von Paris!
In 14 Tagen ausverkauft
"Das Problem war Folgendes", sagt uns ein Projektentwickler. "Die Touristen möchten alle an den Strand, sie wollen das Meer sehen, aber Dubai hat nur 64 Kilometer Küste. Wenn The Palm fertig ist, haben wir 1500 Kilometer Küste. So viel wie Kalifornien." Entwickelt wird das Weltwunder von Nakheel, einem weitverzweigten Immobilienunternehmen mit Sitz am Strand von Dubai.
Hunderte Lastwagen donnern hinter den flachen Planungs- und Marketinggebäuden auf einer eigenen Autobahn über eine Brücke, die direkt aufs Meer zuführt. Zigtausende Arbeiter bauen hier Jumeirah, die erste der drei Palmen. Auf den gefächerten Sandaufschüttungen im offenen Meer stehen schon die ersten Villen, Shoppingcenter, Hotels und Resorts. Nur 14 Tage hat es 2002 gedauert, bis die künstliche Insel ausverkauft war.
Kunden gehört ganz Deutschland
Mittlerweile sind einzelne Gebäude und Wohnungen drei- bis viermal verkauft worden mit jeweils zwei- bis dreistelligem Gewinn. "80 Prozent der Kunden sind Engländer", sagt Tammy Farha vom Marketing Department. Doch Jumeirah ist nur ein Inselchen gegen die kommenden Aufschüttungen. Deira und Jebel Ali werden beide jeweils größer sein als die Innenstadt von Paris.
Jebel Ali ist jetzt schon von Satelliten aus erkennbar. Auch "The World", die Nachbildung der Erde als Archipel aus 300 Inseln, ragt tatsächlich schon aus dem Wasser. "Sie sehen", sagt Farha, "wir machen keine leeren Versprechungen. Noch in diesem Jahr können unsere Kunden die ersten Häuser auf The Palm beziehen." Sie zeigt uns einen Verkaufsraum in dem Häuser, Villen, Appartementanlagen und Hotels in Miniaturform aufgebaut sind. Ab 160000 Euro kosten Appartements. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Schließlich kann man ganze Inseln mit Privatstrand und eigener Marina erwerben. Einige Kunden kaufen ganze Inselgruppen und können behaupten, dass ihnen ganz Deutschland gehöre (im Katalog tragen wir die Nummer E8).
Keine deutschen Ingenieure
Täglich kommen Engländer, Deutsche, Franzosen, aber auch viele Asiaten und Araber, die sich auf den künstlichen Inseln Villen und Häuser kaufen. Und der Boom geht immer weiter. Noch sind es rund sechs Millionen Besucher, die jährlich in einem der 379 Hotels übernachten. Doch schon in den kommenden Jahren soll sich die Zahl vervielfacht haben. Die Zuwachsraten sind nur mit denen Schanghais vergleichbar. Das geringste Wachstum, welches man hier in einer Branche akzeptiert, ist zehn Prozent. Wer das nicht erreicht, kann einpacken.
Und welche Rolle spielen die Deutschen, fragen wir bei Nakheel. "Die Deutschen sind sehr wichtig für uns. Sie reisen gern und probieren neue Länder aus. Sie haben Italien, Spanien, die Türkei und Ägypten entdeckt. Nun kommen sie nach Dubai, weil es hier vergleichsweise preiswert, sauber und sehr sicher ist." Nur mit deutschen Ingenieuren arbeite man nicht so gern. "Die können einfach nicht gut genug Englisch. Und sie stellen viele Bedingungen. Aber wir haben keine Zeit, so lange zu diskutieren." Das Weltwunder will nicht warten.
Christian Krug
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