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Max Muth Junge Union Bandwettbewerb Backstage

 

Politik und Musik: CSU  und  Indiepop

Die Junge Union macht auf alternativ. Mit einem Bandcontest pirscht sich der CSU-Nachwuchs im Münchner Kulturzentrum "Backstage" an Jugendliche an. Die Zielgruppe zeigt sich aber eher unpolitisch.

Von Tobias Schulze und Max Muth

Der Bezirksvorsitzende sitzt im Backstageraum. Blauweiß gestreiftes Hemd, Jeans, helle Turnschuhe. Lange wird Günther nicht mehr amtieren - mit 35 Jahren endet die Mitgliedschaft in der Jungen Union automatisch. "Ich bin schon vor zehn Jahren in den Club hier gegangen", sagt er.

Musikgschmack wie Guttenberg

Mal zu Konzerten, mal zu Fußballübertragungen, zuletzt sei er aber schon länger nicht da gewesen. Eine Etage tiefer stehen gerade Plug-In auf der Bühne. Jeansjacken, Karohemden, Indiepop. "Die Bands hat die Janet ausgesucht, die arbeitet bei einem Radiosender und kennt sich da aus", sagt Günther. Was er selbst privat so hört? "Rockiges." Wie der Guttenberg? "Wie der Guttenberg."

Das "Backstage" ist eine Art Gemischtwarenladen der Jugendkulturen. Es liegt auf einem ehemaligen Bahngelände direkt neben den Gleisen. Vier Bühnen hat der Club. Bela B. hat hier schon gespielt, Public Enemy auch, nächstes Jahr kommen Kettcar. Früher gab es in dem Laden hin und wieder Antifa-Festivals. Wer sich in München für alternative Musik interessiert, kommt am Backstage kaum vorbei. "Wir sind hier, weil wir Interesse am Kontakt mit den Jugendlichen haben", sagt Günther. Daher also der Bandwettbewerb. Das Prinzip ist bekannt: Fünf Nachwuchsbands aus der Gegend hat die Junge Union ins "Backstage" eingeladen. Jede Band spielt dreißig Minuten, wer beim Publikum am Besten ankommt, darf demnächst als Vorband eines großen Acts zurück kommen. Um Inhalte gehe es dabei gar nicht so sehr. "Plakate darf man in München nur dann gratis aufhängen, wenn die Veranstaltung explizit politisch ist", sagt Günther. "Darum haben wir vor dem Konzert noch eine Diskussion mit dem Josef Schmid aus dem Stadtrat organisiert."

Gigs für SPD und CSU

Um halb zehn sind knapp 200 Gäste da. "Voll krass, hätte ich nicht erwartet!", brüllt der Sänger mit der Jeansjacke von der Bühne. Felix hat seinen Auftritt schon hinter sich. Der 22-Jährige ist Schlagzeuger bei den Misssteaks. "Wir haben auch schon bei der SPD auf dem Fürstenrieder Volksfest gespielt", sagt er. Auf die Junge Union sei seine Band also nicht getrimmt. "Die Schwester von unserer Sängerin ist halt bei denen. Und die Location hier ist eh super, also haben wir zugesagt." Neben Felix sitzen im Backstageraum vier Neuntklässler auf den Sofas. "Wir machen Pop-Rock, nur eigene Lieder und keine Cover", sagt einer von ihnen. Famous heißt ihre Band. Ob sie wissen, was diese Junge Union eigentlich macht? "Ich kannte die nicht!", sagt der Erste. Der Nächste glaubt, dass das Ganze mit der CDU zu tun haben müsse. "Was?! Werben wir jetzt für die CSU?", ruft einer von ihnen. Am Ende einigen sie sich darauf, dass die Junge Union wohl "Jugendlichenförderung" betreibe.

Neben dem Eingang hat der CSU-Nachwuchs einen Infostand aufgebaut. "Unsere Aufkleber mit dem 'Gefällt mir'-Button kommen sehr gut an. Die gehen weg wie warme Semmeln!", behauptet Valentin, der Bezirksgeschäftsführer. Schon den ganzen Abend über macht er die Kasse. Neben den Stickern liegen blaue Postkarten aus. "Schon wieder nicht gekommen", steht darauf. "Die sind witzig", sagt Valentin, "da geht es um die Nachtlinien beim Nahverkehr." Die schwarzen Karten verstehe er dagegen nicht so richtig. Das Gesicht einer jungen Frau ist darauf zu sehen, darunter die Aufschrift "Angst?". Valentin fragt sich, ob das wohl für die Angst vor der Mitgliedschaft stehe. "So schlimm sind wir doch gar nicht!", wundert er sich. Ein angetrunkenes Mädchen sieht das anders. Sie ist gerade aus der großen Halle nebenan gekommen, wo später noch Monster Magnet aus den USA spielen werden. "Wir sind nicht für die CSU!", brüllt sie.

Bei der Jungen Union steht inzwischen die letzte Band auf der Bühne. Fuxdeifeswuid, Rockmusik mit bayerischen Texten. "Woas sagst, wennst Nachts von der Polizei aufghalten wirst?", fragt der Sänger das Publikum. Die Antwort schiebt er gleich hinter her: "I hob nix drunga!" So heißt dann auch das nächste Lied. Vor der Bühne hüpfen fünf Austauschstudenten aus Polen und Bulgarien entzückt im Takt. "Politik?", fragt Iwan, einer der fünf. "Nein, damit haben wir nichts zu tun!"

Weitere Eindrücke von dem Abend sehen Sie in unserer Bildergalerie.

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