Andy Warhol: Spaziergang mit Warhol
Wie sieht wohl jemand, der aus allem Kunst zu machen verstand, seinen Lebensraum? die Galerie Zander in Köln gibt einen Einblick und präsentiert selten gesehen Fotos, die der Pop-Art-Künstler vom New York der 70er und 80er schoss, sowie kurze, filmische Screen Tests.
Von Martin Haldenmair
Was ist Kunst? Ist eine Dose Tomatensuppe an sich Kunst, wird sie zur Kunst, wenn sie abgemalt wird oder wird sie nur zu Kunst, wenn der Abmaler Andy Warhol heißt? Da wir mit unseren Kunstlehrern in der Schule immer ein - sagen wir mal - schwieriges Verhältnis hatten, können wir diese Frage heute auf MAX leider nicht beantworten. Wir können nur sagen: Andy Warhol hatte einen ganz besonderen Blick auf die Welt und hat auf seine Weise den Blick aller Menschen verwendet. Wie sah dieser Mensch wohl seinen normalen Alltag?
Andy Warhol Photographs and Screen Tests
Fotoausstellung
Termine:
30. Juni - 2. September 2012
Ort:
Galerie Zander, Schönhauser Straße 8, 50968 Köln
Öffnungszeiten:
Di-Fr: 11-18 Uhr, Sa 12-18 Uhr & nach Vereinbahrung
Die Frage lässt sich überraschenderweise beantworten. Denn Andy Warhol führte nicht nur Tagebuch, sondern trug meist eine Kamera mit sich herum, mit der alles fotografierte, was seine Aufmerksamkeit erregte: Schaufenster, Graffiti an Straßenwänden, schlafende Menschen auf einer Parkbank. Die Galerie Zander in Köln zeigt vom 30. Juni 2012 bis zum 2. September eine Auswahl dieses großen, kaum beachteten Schatzes.
Hauptsächlich Alltägliches fotografierte Andy Warhol auf seinem Weg durch die Stadt. In klarem schwarz weiß, meist mit leicht schrägen Linien und starken Kontrasten nagelte er einen Augenblick fest. So sind die Fotos zum einen eine Zeitreise in die 70er Jahre. So sehen wir eine frühe Gay-Pride-Demonstration, die aus heutiger Sicht zurückhaltend anmutet (sind die Jungs in den kurzen Hosen vielleicht einfach nur Jogger?), doch damals ein grelles Signal aussendete. Wir sehen einen Zeitungskasten mit der Schlagzeile zu einem längst vergessenen Skandal - das Foto wurde später in Vergrößerung und mehrfach aneinandergenäht ein eigenständiges Kunstwerk. Die Fotosammlung ist also auch so etwas wie ein Skizzenbuch.
Warhol setzte für seine Kunst auch die Filmkamera ein - eine kleine, schnurrende 16mm-Kamera mit drei Minuten Film. Zu seinen Experimentalfilmen kann man wieder stehen, wie man will (ähnlich wie zur Tomatensuppe), doch auch hierzu gibt es ein visuelles Skizzenbuch: Die Screen Test. Warhol porträtierte Mitarbeiter, andere Künstler und Besucher seiner Factory (darunter Musiker Bob Dylan und Lou Reed, die Schauspieler Dennis Hopper und Baby Jane Holzer, die Künstler Marcel Duchamp und Paul Thek). Dafür setzte er sie auf einen Stuhl, positionierte die Kamera fest davor und ließ sie drei Minuten lang laufen. Klingt nicht besonders Abwechslungsreich, doch es ist spannend, was in den Gesichtern von Menschen vorgeht, die minutenlang von einer Kamera beobachtet werden. 500 solcher Screen Tests sind entstanden, die Galerie zeigt im Rahmen der Ausstellung zwölf.
Einen Einblick in die Ausstellung gibt es in unserer Bildergalerie zu "Andy Warhol Photographs.
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Köln
Klüngel, Kölsch und Karneval. Köln profiliert sich zwischen urigen Kneipen und hippen Medientreffs








