Magnifico: Fabelhafter Ritt
Dalí lässt grüßen. Auf den Hufspuren des Surrealismus galoppieren fabelhafte Wesen und feine Pferdekünstler durch André Hellers Show: Im modernen Zirkus treffen Rappen auf Rapper.
Von Kerstin Kotlar
Es waren einst 13 Einhörner. Eines davon war berühmt: Magnifico. Auf die Reise durch die phantastisch-schöne Traumwelt nimmt André Heller den Zuschauer in seiner neuesten Show mit. Es geht nach Marrakesch und New York, in den fernen Osten und ins nahe Andalusien. Es ist ein Zirkus der besonderen Art. Zwar fehlen die klassischen Zutaten nicht: Clowns kullern über die Bühne oder hängen von der Decke, Artisten vollführen atemberaubende Kunststücke und Pferde drehen Pirouetten. Doch Heller inszeniert alles mit einem ganz besonderen Dreh.
"Wow", "wahnsinn", "toll" - Bewunderungsrufe aus dem Publikum schweben bei den beeindruckenden Darbietungen durch die Luft. Mit den lautesteten Applaus bekommt die leiseste Nummer: Ein Künstler balanciert angefangen von einer Feder immer länger werdende Hölzer aufeinander, sodass am Ende eine ihn überragende Konstruktion entsteht, die dem Gerippe eines Blatts gleicht. Doch so puristisch bleibt es selten. Ansonsten trimmt der Wiener Showmaster das Zirkusereignis gerne mit technischen Mitteln auf modern. Videoprojektionen begleiten die Weltklasseakrobaten aus China oder die faszinierenden Schattenkünstler von Pilobolus. Immer wieder schweben schwerelose XL-Figuren durch das Zelt. Für Tempo und Modernität sorgen auch Breakdancer, die zu coolen Beats über den Boden wirbeln oder den Arm einmal um den Kopf wickeln.
Und klar, natürlich schreiten, traben, galoppieren jede Menge Pferde durch die Manege. Durchdekliniert in allen Variationen: Faune, Pegasus, Trojanisches Pferd, Seepferdchen, Schimmel und Rappen, Einhorn (nicht zu vergessen!) ... zeigen fabelhafte Ritte.
Vom Erstaunen und Bewundern
So wie Ballerina Eliza Khachatryan im Spitzentanz über das Hochseil tippelt, sind alle 150 Ausnahmekünstler aus der ganzen Welt ohne Ausnahme Vollprofis ihres Fachs. Das wissen sie auch. Ihre klare Botschaft tragen die Artisten in einer Nummer ganz deutlich auf ihren Oberteilen. "Erstaunen" sagt die Buchstabenfolge auf der Vorderseite - "Bewundern" auf dem Rücken. Das haben sie selbstverständlich verdient.
Magnifico ist Surrealismus vom Feinsten. Deshalb darf auch die Hommage an den Großmeister dieses Fachs Salvador Dalí nicht fehlen. Unzählige Dalís in Schwarz-Weiß-Film-Optik drehen ihre Köpfe auf der Leinwand ganz erstaunt nach dem Künstler in der Manege. Mit typisch aufgezwirbeltem Schnurrbart versucht dieser vor seiner zukünftigen Braut mit Pferdekopf zu entwischen - bis er rücklings in der überdimensionalen Hand mit Ehering landet. Was das zu bedeuten hat? Der Zuschauer bekommt keine Erklärung, Heller verzichtet auf jede Art moralischen Zeigefingers. Es ist auch gar nicht nötig alles zu verstehen. Meist genügt Bewundern. Wie im Traum.
Die Tour-Daten 2011:
München: 9. Februar 2011 bis 27. März 2011
Hamburg: 6. April 2011 bis 8. Mai 2011
Düsseldorf: 25. Mai 2011 bis 26. Juni 2011
Stuttgart: 20. Juli 2011 bis 21. August 2011
Zürich: 31. August 2011 bis 4. September 2011 (Hallenshow)
Frankfurt: 7. September 2011 bis 9. Oktober 2011
Wien: ab November 2011
Einen kleinen Einblick in die traumhafte Reise finden Sie in unserer Bildergalerie.
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