Brüssel: Palais de Justice
Palais de Justice
Nicht verpassen sollte man den Justizpalast. Auch wenn dies schwer
fällt: In seiner hervorgehobenen Position, auf dem Hügel über
den Marollen, überragt er das ganze Zentrum und prägt die
Innenstadt wie kein zweites Bauwerk. Nicht nur deshalb taucht er
häufig verfremdet in belgischen Comics als Sitz des Mr. Evil auf. Er
entstammt einer Zeit, an die man sich in Belgien mit gemischten
Gefühlen erinnert: der Regentschaft Leopolds II. Der imperialistische
Monarch schmückte sein kleines Land mit allem, was prächtig und
pompös genug war. Und in Brüssel musste ein repräsentatives
Zeichen für die Welt gesetzt werden. Immerhin stand das Land während
der Hochzeit des Imperialismus auf Platz drei der
Weltwirtschaftsmächte. Für den Justiztempel wurde 1860 ein internationaler
Architektenwettbewerb ausgerufen, doch konnten sich Stadtverwaltung und der Landesvater für keinen der Entwürfe so
richtig erwärmen. Bis Joseph Poelart, selbst Mitglied der Jury, die
Kommission und den Potentaten mit einer abenteuerlichen, mit
Zeichenkohle hingeworfenen Skizze überzeugte.
Man bezweifelt bis
heute, dass von ihm jemals Grundrisse und Detailpläne gewissenhaft
ausgearbeitet wurden. Einen Kostenvoranschlag erhielt der Brüsseler
Magistrat nie. Stattdessen machte sich der Architekt begeistert an
sein Lebenswerk. Jeglicher Stil wurde inflationär in seinen Koloss integriert:
ionische Säulen und martialische Fabelwesen. Siebzehn Jahre
später hatte das Bauprojekt 50 Millionen Goldfranc (umgerechnet ca. 250
Millionen Euro) verschlungen. Die Stimmung war deutlich abgekühlt. Als
Poelart den Palast mit einer Pyramide krönen wollte, verschied er
aus bis heute ungeklärtem Grund.
Unbedingt muss man sich in das
eklektizistische Gebäude hinein begeben. Die beeindruckend hohe Kuppel und
das bonbonfarbene Zuckerbäckerdesign des Interieurs stellen einen
krassen Widerspruch zur überwucherten Fassade dar. Nur in den
dunklen Gängen sollte man sich nicht verirren,... tief in den feuchten Kellern, so wird geraunt, übt sich König Albert am Schießstand.
Öffnungszeiten: Mo-Fr 8-17 Uhr
Sonstiges: Haltestelle (Tram 92, Métro Louise) Parkplatz (in der Nähe)
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