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Cityguide Brüssel Kultur  Sightseeing  Grand' Place
Grand place  

Brüssel: Grand' Place

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Adresse: Grand Place
1000 Brüssel

Für MAX vor Ort

Caspar Seibert

Endlich am Grand' Place! Belgier sind sich in wenigem einig, aber beim Gedanken an den Grand' Place schwelgen Flamen und Wallonen in gemeinschaftlichem Nationalstolz. Paradox, dass gerade sein eigentlicher Name Bände belgischer Polarisation spricht. Die Flamen nennen ihn "Grote Markt", was auf seine Funktion als Handelsplatz zurückgeht. Schon um das Jahr 1000 wurde hier gehandelt. Die arbeitsamen Brabanter Kaufleute machten ihn im 17. Jahrhundert zum Warenumschlagplatz zwischen Köln, Brügge und Antwerpen. Es war eine Zeit, in der in Brüssel flämisch gesprochen wurde. Die Brabanter Zünfte vernachlässigten nicht, ihrer Stellung in Form aufwändiger Versammlungshäuser Ausdruck zu verleihen.
Ludwig der XIV. begann Ende des 17. Jahrhunderts einen Eroberungsfeldzug gegen die erstarkten Flamen und ließ gezielt den Groten Markt niederschießen. Der Brüsseler Magistrat veranlasste einen Neuaufbau mit detaillierten Vorschriften zu Giebelform, Bauhöhe und Fensterzahl. Die heutige Harmonie des Barocks entspringt dieser in Europa erstmaligen Bauordnung.
Französisch wurde im 19. Jahrhundert zur Verkehrssprache und man neigte zu prunkvoller Präsentation. Aus dem "Brodhuis" gegenüber dem Rathaus wurde das "Maison du Roi". Der "Grote Markt" wuchs in seine moderne Funktion als "Grand' Place": ein Geviert für Paraden, Blumenteppiche, Schlittschuhlaufbahnen und dem jährlichen "Omegang", einer choreographierten Reminiszenz an mittelalterliche Gauklerspiele.

Natürlich gibt es bei aller Perfektion auch hier belgischen Charme: Dem wachsamen Besucher entgeht die nicht korrekt zentralisierte Position des Rathauseingangs unter seinem Turm bestimmt nicht. Bei Baubeginn des gotischen Maison de Ville 1402 sahen die Pläne nur den linken Gebäudetrakt vor, nach Fertigstellung wurde an die Außenwand jedoch noch eine rechte Erweiterung gesetzt, wodurch das Portal nach links rutschte.

Und wie jeder reizvolle Ort birgt auch der Grand' Place ein Geheimnis. Auf dem Dach des Hauses "La Rose", weit links neben dem Rathaus, steht eine steinerne Dame - die sich, wie man munkelt, in gesegnetem Zustand befindet - und blickt den benachbarten Reiter Karl auf dem "L'Arbre d'Oe" vorwurfsvoll an. Mit ausgestrecktem Schwert bringt der Chevalier den Edelmann vom "L'Ange" gegenüber ins Spiel. Aber auch der fühlt sich schuldlos - und verweist auf eine unscheinbare Gestalt im Schatten. Der Mönch auf dem "Le Pot d'Etain" schaut schamvoll zu Boden.


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