Selbst bezeichnet er sich als Universaldilettanten. Und darin ist Rainald Grebe hochprofessionell. Zumindest gibt es im (hoch-)deutschen Sprachraum wenige, die ähnlich zynisch-bissige Lieder zu Gehör bringen. Kabarettist oder Musiker? Egal, immer genial!
Lach' ich in Deutschland in der Nacht, bin ich um den Humor gebracht. Cindy aus Marzahn for President, Atze Schröder hat die Kanzlerschaft übernommen und Mario Barth spricht genau das aus, was wir alle denken. Wo sind wir hier eigentlich? Alles nur ein Alptraum? Ja, Gott sei Dank tatsächlich. Denn noch gibt es die Polts und die Ringsgwandls, die Rethers und Schramms. Leute, die anspruchsvolles Kabarett nicht mit erhobenem Zeigefinger machen, sondern diesen ganz tiefsinnig tief in die altbekannte Wunden der Gesellschaft stecken und kräftig umrühren und bei alledem noch eine unheimlich witzige Figur machen, ohne sich groß verbiegen zu müssen. Rainald Grebe ist auch so einer. Seit 2004 lehrt der Wahlberliner der Republik mit seinen Liedern sowohl das Fürchten als auch das Lachen darüber.
Kein Pardon, kein Respekt, kein Blatt vor dem Mund und vor allem keine Tabus. Egal, ob's die Nazis oder die allgemeine Hoffnungslosigkeit Brandenburgs ist, wo Spätpubertierende keine andere Chance haben als gegen einen Alleebaum zu knallen. Ob Magersüchtige oder Guido Knopp, der im ZDF Bad und Küche mit dem Größten Feldherrn aller Zeiten teilt. Rainald Grebe teilt fleißig nach allen Seiten aus, nicht oberflächlich, dafür hintergründig und tiefsschürfend, ohne Rücksicht auf Gewinn und Verlust und das alles mit einem ungerührten Blick ins Publikum, der ihm die Aura eines eiskalten Manischen verleiht. So gelingen ihm selbst Liebeslieder nur komisch, zynisch und wenn's nicht so lustig wäre, wär's eigentlich nur zum Heulen. Aber was hilft's: "Ich könnte nie ein romantisches Liebeslied schreiben. Das würde mir im Mund verfaulen." Dafür kann ihm bei seinem Verständnis von Romantik garantiert keiner den Rettich reichen.
Sein neues Album heißt "Das Hongkongkonzert". Und das ist ausnahmsweise mal ganz unironisch. Es fand tatsächlich in Hongkong statt, vor deutschen Geschäftsmännern. "Ich war vor kurzem in Hongkong und habe dort im Hotel Intercontinental vor deutschen Geschäftsleuten gespielt. Absurd! Du fliegst zwölf Stunden in die Ferne, um doch wieder 'Brandenburg' zu spielen, und die Leute lachen sich weg wie blöde." Deutschland einig Kalauerland? Bitte nicht! Gebt dem Stumpfsinn keine Chance! Grebe, übernehmen Sie!
BEWERTEN SIE DEN TIPP
Leser-Kommentare (0)
SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG
Bielefeld - Events
Bitte melden Sie sich hier an.







